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Zusammenfassung

Angewandte Kunst (Englisch: Applied Arts) verbindet Funktion mit künstlerischem Anspruch und handwerklicher Meisterschaft. Sie wertet unseren Alltag auf. Im Gegensatz zur Bildenden Kunst existiert sie nicht nur für die Kontemplation (konzentrierte Betrachtung), sondern lebt in der Anwendung: als gestalteter und geg. handgefertigter Gebrauchsgegenstand, als Schmuckstück, als Möbel.

Dieser Artikel definiert den Begriff Angewandte Kunst, skizziert seine historische Entwicklung und zeigt die Unterschiede zur Bildenden Kunst, der Freien Kunst und dem DIY-Trend ab. Wir fokussieren uns insbesondere auf das gestaltende Kunsthandwerk innerhalb der Zeitgenössischen Angewandten Kunst (Englisch: Contemporary Applied Arts) und beleuchten dieses im Vergleich zum Design.

Wenn du wissen willst, welche gesellschaftliche Bedeutung Angewandte Kunst hat und warum sie überall in deinem Leben ist, bist du hier richtig.

1. Was ist angewandte Kunst? – Eine Annäherung

Angewandte Kunst bezeichnet die Gesamtheit der kunsthandwerklichen und kunstgewerblichen Gegenstände aller Epochen, so nachzulesen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Wir nähern uns dem Begriff freier: Kreation entsteht aus dem Leben heraus und gehört deswegen ins Leben hinein. Und mitten im Leben finden gestaltende Kunsthandwerker:innen ihre Inspiration für ihre Angewandte Kunst. Es ist ein vertieftes Erschaffen, das aus Disziplin und Hingabe geboren ist. Angewandte Kunst beschäftigt sich mit neuen Perspektiven, sucht stilistischen Charakter und eine zeitgenössische Interpretation des scheinbar Vertrauten.

Angewandte Kunst ist die Kunstform, die in der Hand, im Alltag, auf dem Tisch oder am Körper leben darf und ihr Potential entfaltet.

Angewandte Kunst denkt den ästhetischen Aspekt weiter, um den Einsatzzweck und um das Umfeld, in dem sie als angewandtes Objekt existiert. Eine Skulptur ist eigenständig und steht in subjektiver, persönlicher Umgebung; ein Stuhl hat eine Aussage und trägt. Angewandte Kunst konzentriert sich auf diese doppelte Anforderung. Sie ist zweckmäßig und gefällig.

Die Funktion setzt den Rahmen und innerhalb dieses Rahmens lebt die künstlerische Idee. Eine Keramikschale hält also nicht nur Dinge, sondern kreiert eine Landschaft. Ein Schmuckstück sieht nicht nur gut aus, sondern transportiert eine künstlerische Aussage.

Angewandte Kunst entsteht also aus dem Zusammenspiel des künstlerischen Ausdrucks mit der Funktionalität des Gegenstands. Das entscheidende Merkmal: Das Ästhetische und das Funktionale stehen gleichberechtigt nebeneinander.

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2. Disziplinen, Materialien und Gewerke

Welche Gewerke fallen unter den Begriff der Angewandten Kunst? Sie beginnt dort, wo die Meisterschaft über ein Material es ermöglicht, einen funktionalen Gegenstand zu schaffen, der einem künstlerischen Bestreben gerecht wird. Die Symbiose aus Werkstoff, handwerklicher Technik und gestalterischer Vision erschafft Angewandte Kunst.

Die wichtigsten Disziplinen lassen sich nach ihren primären Werkstoffen ordnen:

Klassische und materielle Gewerke

Keramik, Porzellan: Gestaltung von Geschirr, Gefäßen, Fliesen und skulpturalen Objekten aus gebrannter Erde.
Holzgestaltung: Möbelbau, Drechseln, Bildhauerei und Holzschnitzerei für den Wohn- und Objektbereich.
Metallbearbeitung: Schmiedekunst, Goldschmiede, Silberschmiede und Metallgestaltung Schmuck und Geräte).
Textilkunst, Fasergestaltung: Weberei, Faserobjekte, Sticken, Färben und textiles Flechtwerk.
Glas, Stein: Glasbläserei, Glasmalerei, Schliff sowie Steinbearbeitung und Bildhauerei.
Papier, Buchkunst: Handgeschöpftes Papier, Buchbinderarbeiten und Papierobjekte.

Moderne und funktionale Disziplinen

Produktdesign, Möbeldesign: Industrielle oder handwerkliche Serienfertigung von Gebrauchsgegenständen.
Modedesign, Textildesign: Entwurf und handwerkliche sowie industrielle Fertigung von Kleidung und Stoffen.
Kommunikations-, Grafikdesign: Gebrauchsgrafik, Typografie und visuelle Mediengestaltung.
Innenarchitektur, Lichtdesign: Raum-, Möbel- und Beleuchtungskonzepte für das alltägliche Leben.

Das Faszinierende ist die zunehmende Hybridisierung: Zeitgenössische Künstler:innen der materiellen Gewerke kombinieren heute oft Werkstoffe, etwa Metall mit Textil oder Keramik mit Glas. Die Disziplin definiert sich dann nicht mehr nur über das Material, sondern über den künstlerischen Ansatz, Blickwinkel und die Fähigkeit, verschiedene Elemente zu einem funktionalen Ganzen zu vereinen.

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3. Die Geschichte: Vom Handwerk zur Angewandten Kunst

Was ist Angewandte Kunst historisch gesehen?

Ihre Wurzeln reichen bis in die frühesten Kulturen der Menschheit zurück. Schon in der Prähistorie formten Menschen Gefäße, Werkzeuge und Schmuck, die Ästhetik mit Funktionalität verbanden.

In den antiken Hochkulturen erreichte diese Meisterschaft eine Präzision, die bis heute beeindruckt. Griechische Keramik, römisches Glas oder etruskische Goldschmiedekunst zeigen, wie eng Nutzen, Material und Gestaltung zusammengehörten.

Trennung von Kunst und Handwerk

Die heute so vertraute Trennung zwischen „Bildender Kunst“ und „Handwerk“ ist historisch vergleichsweise jung. Im europäischen Mittelalter etwa war das Ansehen von Maler:innen, Bildhauer:innen, Goldschmied:innen und Tischler:innen noch weitgehend ebenbürtig. Sie arbeiteten im Auftrag der Kirche, an den Höfen oder für wohlhabende Bürger:innen. Künstlerische Idee und handwerkliche Ausführung bildeten noch eine untrennbare Einheit. An diesen Orten sorgte das Handwerk für Prunk und Furore: Kostbare Textilien, Schmuck und liturgische Geräte machten Reichtum, Glauben und gesellschaftlichen Rang sichtbar und spürbar.

Mit der Renaissance begann sich dieses Verhältnis zu verändern. Das Design, der eigenständige Entwurf, wurde vom Handwerk separiert. Malerei, Skulptur und Architektur galten zunehmend auch als geistige Disziplinen. Künstler erforschten Perspektive, Anatomie und Proportion und verbanden praktisches Können mit theoretischem Wissen. Kunstakademien bildeten sich und grenzten die sogenannten „schönen Künste“ zunehmend von handwerklichen Künsten ab.

Von der Arts-and-Crafts-Bewegung zum Bauhaus

Die Industrialisierung veränderte das Kunsthandwerk im 19. Jahrhundert noch einmal grundlegend. Maschinen und Massenproduktion entwerteten die traditionellen Gewerke, die Distanz zwischen Gestaltung und Fertigung wuchs. Das Kunsthandwerk geriet unter Druck.

Darauf reagierte die britische Arts-and-Crafts-Bewegung. Geprägt von den Ideen John Ruskins und William Morris, stellte sie der industriellen Massenware individuelle Gestaltung, handwerkliche Qualität und hochwertige Materialien entgegen.

Auch im deutschsprachigen Raum wurde intensiv darüber gestritten, wie Kunst, Handwerk und moderne Produktion zusammenfinden können. 1919 kam Das Bauhaus und mischte die Karten noch einmal neu. In seinen Werkstätten wurden Kunst, Design und Handwerk wieder zusammengedacht. Zugleich gewannen Typografie, Grafik und visuelle Kommunikation an Bedeutung. Zunehmend entstanden Entwürfe, die auch industriell produziert werden konnten. So rückten künstlerischer Anspruch, Handwerk und moderne Herstellung enger zusammen.

Der Begriff Angewandte Kunst hat keinen einzelnen Urheber. Er entstand im Laufe der Geschichte. Das Bauhaus prägte entscheidend mit, wie wir ihn heute verstehen.

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4. Angewandte Kunst und ihre heutige Bedeutung

Bis heute sind Kunsthandwerk und Geschichte eng miteinander verbunden. Materialwissen, Techniken, Disziplinen und Formen entwickelten sich weltweit und beeinflussten sich über Handel, Migration, Kolonialisierung und kulturellen Austausch gegenseitig.

Wer hier tiefer gehen will, dem empfehlen wir einen Besuch in ethnologischen und kulturhistorischen Museen. Im deutschsprachigen Raum geben beispielsweise folgende Sammlungen einen wunderbaren Einblick in die Entwicklung der Angewandten Kunst:

Ethnologische und kulturhistorische Museen

Heute bewegt sich die Angewandte Kunst freier denn je zwischen einem intellektuellen Kunstverständnis, Handwerk, Grafik und Design. Zeitgenössische Angewandte Kunst – international auch als Contemporary Craft bezeichnet – verbindet handwerkliche Meisterschaft mit einer eigenen künstlerischen Haltung, Experiment und neuen Sichtweisen.

Da dürfen jahrhundertealte Techniken auf neue Materialien treffen. Ein Gefäß darf funktionieren und gleichzeitig eine Aussage treffen. Schmuck darf tragbar sein und irritieren. Und ja: Es darf auch mal edgy werden. An den Gitterstäben der ehrwürdigen Kunst darf durchaus gerüttelt werden.

Gerade dieses Dazwischen ist ihr Terrain. Traditionelles Kunsthandwerk wird nicht zeitgenössisch, indem es seine Herkunft abschüttelt, sondern indem es vertraute Techniken mit einem eigenen kreativen Verständnis und handwerklicher Meisterschaft weiterdenkt. Moderne Museen im deutschsprachigen Raum:

Moderne Museen

Hochschulen für Angewandte Kunst - was lehren Sie?

Die künstlerische Eignungsprüfung an Kunsthochschulen ist talentabhängig, das heißt, die Aufnahme hängt nicht unbedingt von bestimmten Abschlüssen ab. Dieses Verfahren ermöglicht damit auch Absolvent:innen aus Lehre oder Fachschule, in die Bewerbung bei einer Kunsthochschule zu gehen.

Bildende und Angewandte Kunst können sich in den konzeptuellen Aspekten und Sichtweisen in der Herstellung von Gebrauchsgegenständen und dreidimensionalen Objekten vereinen. Das sind zum Beispiel Geschirr, Gefäße, Kleidung, Schmuck, Interieur und Objektkunst.

Ein beispielhafter Überblick über das Studienangebot zweier Hochschulen:

die Angewandte Wien, Österreich
Studiengänge:
Angewandte Kunst: Architektur, Design
Bildende Kunst: Fotografie, Malerei, Skulptur, Grafik
Kunst- und Kulturwissenschaften
Werkstätten:
Buch, Papier, Digitalstudio, Druck, Holz, Keramik, Metall, Robotik, Textil, Video, Fotografie, Leder, Coding

Universität der Künste Berlin
Studiengänge:
Angewandte Kunst/Gestaltung (Architektur, Kommunikation, Medien und Design)
Bildende Kunst (Fotografie, Malerei, Skulptur, Grafik)
Schauspiel (mit Bühne und Kostüm)
Musik (Instrumental, Dirigieren, Komposition, Jazz, Klangkunst)
Werkstätten:
Medien, Fotografie, Druck, Lithografie, Radierung, Holz, Gießen, Papier, Metall, Stein, Ton/Keramik, Textil

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5. Wo begegnet uns Angewandte Kunst?

Angewandte Kunst kann uns überall begegnen, wo Leben stattfindet. Sie ist nicht auf bestimmte Kategorien beschränkt. Sie ist so vielfältig wie die Materialien, aus denen unsere Welt besteht. Wenn wir fragen: „Was kann Angewandte Kunst sein?“, ist die Antwort: Fast alles, was wir berühren, benutzen oder bewohnen, sofern ein künstlerischer Geist die Form gestaltet hat. Um das Spektrum greifbarer zu machen, lassen sich die Disziplinen in verschiedene Lebensbereiche unterteilen:

Das Private und Intime:
Hier finden wir die klassische Keramik (Geschirr, Gefäße), den Schmuck und die Textilkunst. Es sind Objekte, die eine unmittelbare körperliche Nähe haben – ein Ring, den man trägt, eine Tasse, die man morgens in den Händen hält, Kleidung.

Das Wohnliche und Strukturelle:
Einrichtung, Möbeldesign, Glaskunst und Metallgestaltung. Hier wird die angewandte Kunst räumlich. Ein handgefertigter Tisch, eine skulpturale Leuchte oder eine handgeschmiedete Türklinke verwandeln einen funktionalen Raum in ein kuratiertes Lebensumfeld.

Das Narrative und Textile:
Webkunst, Kunstschneiderei, künstlerische Wandbehänge und Textilinstallationen - hier wird das Material selbst zum Medium für Geschichten.

Die Schnittstelle zur Architektur:
Mosaike, Wandverkleidungen oder maßgeschneiderte Interior-Elemente, bei denen das Kunstwerk mit der Substanz des Gebäudes verschmilzt.

Ein Objekt kann gleichzeitig eine funktionale Leuchte, eine textile Skulptur, ja sogar ein Statement oder ein Kommentar zum Thema Nachhaltigkeit sein. Angewandte Kunst ist also nicht eine Liste von Gegenständen, sondern ein Statement.

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6. Bildende Kunst, Freie Kunst, Angewandte Kunst: Wo liegen die Unterschiede?

Die Abgrenzung zwischen diesen Begriffen ist einfacher, als sie oft gemacht wird, und gleichzeitig subtiler, als viele glauben. Um sie zu verstehen, hilft ein Blick auf das, was Kunst im Kern ausmacht.

Kunst beginnt mit einer besonderen Art des Hinsehens. Es geht darum, Formen zu studieren, Proportionen zu hinterfragen und die Welt gestalterisch zu interpretieren. Künstler:innen sehen in Objekten künstlerisches Potenzial und geben Formen eine Bedeutung.

Die Bildende Kunst ist dabei der große Rahmen. Sie umfasst alle Kunstformen, die mit bildnerischen Mitteln arbeiten – von der Malerei über die Bildhauerei bis hin zum Kunsthandwerk. Innerhalb dieses Rahmens gibt es jedoch eine entscheidende Unterscheidung:

Die Freie Kunst (wie Malerei, Skulptur oder Installation) existiert primär für sich selbst. Ihr Zweck ist die künstlerische Botschaft. Ein Gemälde hängt an der Wand, um betrachtet zu werden; es fordert einen Modus des Umgangs, der auf Kontemplation, Distanz und reiner Betrachtung basiert.

Die Angewandte Kunst hingegen verbindet diesen künstlerischen Anspruch mit einer Funktion. Sie ist Kunst, die in den Alltag integriert wird. Sie kann bequem oder unbequem sein, uns herausfordern oder beruhigen. Doch die Funktion allein ist nicht das entscheidende Kriterium. Sonst wäre auch jedes industrielle Trinkglas ein Werk der Angewandten Kunst.

Entscheidend ist die bewusste, eigenständige gestalterische Entscheidung, die über die reine Lösung eines funktionalen Problems hinausgeht.

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7. Abgrenzung zu Design und Kunsthandwerk

Um die Angewandte Kunst noch schärfer zu definieren, lohnt sich der Vergleich mit zwei verwandten Begriffen:

  • Design ist primär funktions- und lösungsorientiert. Es fragt: Wie muss ein Stuhl geformt sein, damit er ergonomisch sitzt und effizient in Serie gefertigt werden kann? Ästhetik spielt eine wichtige Rolle, bleibt aber dem Zweck oder dem Kundenwunsch untergeordnet. Produktdesign ist in der Regel für die Serie gedacht.
  • Angewandte Kunst spielt mit Material und Traditionen. Die handwerkliche Umsetzung steht im Mittelpunkt, um sie drehen sich Kunst, Humor, Disziplin, Vision und Leidenschaft. Sie kann sich saisonal verändern und immer wieder neue Stilmittel fokussieren. Das macht den Prozess zur künstlerischen Reise und ihren unikalen Charakter aus.
  • Kunsthandwerk ist der breitere Begriff, der die handwerkliche Fertigkeit betont. Ein meisterhaft gedrechselter Holztisch kann perfektes Kunsthandwerk sein, ohne zwingend eine eigene künstlerische Position zu beziehen.

Die Grenze verläuft also nicht zwischen „gut“ und „schlecht“, sondern zwischen Gestaltungsabsicht und Lösungsabsicht. Während das Design eine Lösung sucht, sucht die Angewandte Kunst eine Aussage.

Um Angewandte Kunst verstehen zu können, lohnt sich eine Unterscheidung folgender Begriffe:

8. Gestaltendes Kunsthandwerk: Die zeitgenössische Praxis

Während „angewandte Kunst“ der akademische Begriff ist, beschreibt "gestaltendes Kunsthandwerk" die eigentliche Praxis und die Haltung der Schöpfung. Es ist der Begriff, der die künstlerische Herangehensweise am präzisesten fasst.

Im klassischen Kunsthandwerk steht oft die Bewahrung und perfekte Ausführung einer Tradition im Vordergrund. Im gestaltenden Kunsthandwerk hingegen wird das Handwerk zum Medium einer künstlerischen Aussage. Es geht nicht mehr nur um das „Können“ (die technische Fertigkeit), sondern primär um das „Gestalten“: die bewusste, eigenständige und künstlerische Entscheidung über Form, Material und Kontext. Wer gestaltendes Kunsthandwerk fertigt, formuliert eine eigene Position mit den Mitteln des Materials, überlieferten Mustern oder traditionellen Techniken.

Der Begriff gestaltendes Kunsthandwerk schließt die Lücke zwischen dem allgemeinen „Kunsthandwerk“ als oft nostalgisch besetztem Sammelbegriff und der „angewandten Kunst“ als theoretischer Einordnung.

Er bezeichnet genau das, was wir bei The Artful Object versammeln: Handwerk als künstlerische Äußerung, Material als Sprache und Funktion als Brücke in den Alltag.

Das gestaltende Kunsthandwerk zeichnet sich folgendermaßen aus:

  • Künstlerische Eigenständigkeit: Die gestaltende Person entwickelt eine eigene, erkennbare Formensprache.
  • Handwerkliche Meisterschaft: Die technische Perfektion ist hier nicht das Endziel, sondern die notwendige Voraussetzung, um die künstlerische Vision zu formen.
  • Zeitgenössischer Diskurs: Die Arbeiten reflektieren aktuelle gesellschaftliche, ökologische oder ästhetische Fragen.
  • Integrierte Funktionalität: Der Gebrauchsaspekt ist ein integraler Teil des künstlerischen Konzepts. Die Funktion wird zum Stilmittel.
  • Mehrdimensionalität: Die künstlerische Vision drückt sich auf mehreren Ebenen aus.

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9. Wann wird ein Gebrauchsgegenstand Kunst?

Das ist eine spannende Frage, aber keine Bauchentscheidung. Diese Kriterien sind ausschlaggebend:

1. Die technische Kompetenz: Das Handwerk bzw. die angewandte Technik wird meisterhaft beherrscht und entspricht hohen Ansprüchen.
2. Der künstlerische Intention: Komposition, Aussage, Emotion. Die gestalterische Entscheidung geht über die Lösung des funktionalen Problems hinaus.
3. Die Eigenständigkeit: Die Arbeit ist keine reine Reproduktion eines Musters, sondern formuliert eine Position.
4. Die Einzigartigkeit: Der persönliche künstlerische Charakter wird nicht verdeckt, sondern ist Leitmotiv.
5. Die Singularität: Ob Unikat oder limitierte Kleinserie – entscheidend ist, dass jeder Schritt bewusst gestaltet und nicht industriell reproduziert wird.
6. Gegebenenfalls die Innovation: Die Umsetzung oder die Gestaltung sind innovativ, das bedeutet, sie "denkt neu", geht neue Wege oder zeigt neue Möglichkeiten auf.

Kurz: Ein Gebrauchsgegenstand wird zur Kunst, wenn die gestalterische Entscheidung mindestens so wichtig ist wie die funktionale Lösung.

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10. Die Essenz der künstlerischen Meisterschaft

„Kunst kommt von Können.“ Was bedeutet diese oft zitierte Maxime für die Angewandte Kunst? Denn Können ist hier nicht das Ziel, sondern die Voraussetzung für künstlerische Freiheit.

Die Meisterschaft beginnt, wo eine Technik so tief sitzt, dass sie zum Medium wird. Material, Werkzeug und Verfahren werden zur Sprache, mit der die Künstler:innen ihre Ideen ausdrücken.

Reinhold Ludwig beschreibt diese Evolution in Art Aurea 64 treffend:
„... Was ihn vom Schmuckmacher zum Künstler werden ließ, war die Erkenntnis, Dinge und Formen gründlich zu hinterfragen und Themen zu vertiefen.“

Entscheidend ist also die Erkenntnis, die sich zu einer neuen Perspektive erweitert. Künstlerische Meisterschaft zeigt sich daher nicht nur im Können, sondern manchmal sogar in der Abkehr von bestimmten Herangehensweisen. Eine Unregelmäßigkeit, eine fragile Konstruktion oder ein riskantes Materialexperiment können von höchstem Können zeugen, wenn die Abweichung bewusst gesetzt ist.

An diesem Punkt wird aus Können mehr als gekonnte Herstellung. Es wird zum Mittel des Denkens, Fragens und Ausdrucks und damit selbst Teil des Kunstwerks.

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11. Kunsthandwerk vs. DIY: Warum es nicht dasselbe

„DIY" (Do It Yourself) ist ein wunderbarer Trend der Selbstwirksamkeit. Aber DIY ist kein Qualitätsmerkmal für Kunst. Eine selbstgemachte Kerze oder ein gestrickter Schal können Freude bereiten und funktional sein, ohne einen künstlerischen Anspruch oder eine gestalterische Eigenständigkeit zu besitzen.

Kunsthandwerk setzt handwerkliche Meisterschaft voraus. Gestaltendes Kunsthandwerk oder Angewandte Kunst setzen zusätzlich künstlerische Eigenständigkeit voraus. DIY setzt lediglich voraus, dass etwas selbst gefertigt wurde.

Das ist kein Werturteil. DIY hat seinen Platz und seine Berechtigung. Aber DIY ist nicht automatisch Kunst und nicht das, was wir bei The Artful Object versammeln.

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12. Warum Angewandte Kunst kaufen?

  1. Weil sie Bedeutung hat. Weil sie Seele hat. Weil sie deinen Lebensraum verändert.

Angewandte Kunst soll Teil des persönlichen Lebens sein. Künstler:innen geben Seele in ihre Arbeit und feiern das Handwerk durch ihre Meisterschaft. Jedes Stück, das du in dein Zuhause holst, ist eine Entscheidung gegen Einheitsware und für individuelle Bedeutung.

Ein Teller aus der Industrie ist ein Teller. Ein Teller, den jemand aus Ton geformt, glasiert und gebrannt hat, ist Herzblut. Du benutzt ihn täglich und ein:e Könner:in hat ihr ganzes Wissen hineingelegt und in den Teller fließen lassen. Der Umgang mit Brand und Glasur basieren auf fundierter Expertise und hingebungsvollem Umgang und Erkunden.

  1. Je besser verkauft wird, umso eher kann der:die Künstler:in vom Kunsthandwerk leben.

Unser Herzensgrund: Die Entscheidung für einen Lebensweg als Kunsthandwerker:in ist eine Entscheidung für die Selbstständigkeit. Sie beginnt oft als Kleinunternehmer.

  • Alle Kosten - Material, Miete, Transport und mehr - werden selbst getragen. Die Ausführung aller Pflichten und Küren liegt meist ebenfalls bei dieser einen Person. Es gibt Förderungen, aber nur punktuell.
  • Die Konkurrenz ist riesig, der Markt für Gebrauchsgegenstände im Allgemeinen wird von Mogulen bestimmt. Der Kampf um Sichtbarkeit ist essentiell.
  • Leider sinkt auch die Kenntnis darüber, was Angewandte Kunst ist und bedeutet. Viele berichten von Erfahrungen damit, dass ihr rennomiertes Wissen gleichgesetzt wird mit DIY.

Dabei handelt es sich bei diesen Fertigkeiten und Anwendungen um unser kulturelles Erbe. Nur wenn wir es noch weiterhin wahrnehmen, kann es bestehen.

  1. Der Wert sinkt nicht, er wächst.

Unsere Unikate und Kleinserien sind von speziellen Künstler:innen bzw. Werkstätten erstellt. Wenn du von ihnen kaufst, liefern manche ein Echtheitszertifikat mit aus. Der Wert des Stückes steigt mit seinem Alter an, und sofern es nicht kaputt geht, wird es eines Tages - eventuell auch vererbt - ein künstlerisches Zeitzeugnis sein.

Es hängt von uns ab, wie wir uns entscheiden. Das ist keine Frage des Budgets, sondern eine Frage der Haltung. Die Wertschätzung und Investition in spezielles Fachwissen kostet nicht viel mehr, als entsprechende Industrieware. Ihr Wert liegt aber deutlich höher.

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13. Fazit: Angewandte Kunst darf benutzt werden

Angewandte Kunst ist kein Widerspruch in sich. Sie ist die folgerichtige Antwort auf die Frage, was Kunst im Leben sein kann.

Gestaltendes Kunsthandwerk ist die zeitgenössische Form kultureller Traditionen in der Fertigung von Gebrauchsgegenständen. Unikate und Kleinserien machen es aus. Darin verbinden sich Meisterschaft und Eigenständigkeit, Tradition und Experiment, Funktion und Vision. Es ist das, was wir bei The Artful Object feiern: Kunst, die benutzt werden darf.

"Kunst mitten in meinem Leben, in meinem Alltag? Das geht doch nicht!" Wir glauben: Doch. Und genau damit beginnt die Geschichte eines Artful Objects.

Angewandte Kunst ist eine Entscheidung für ein bewussteres Leben mit Dingen, die eine Geschichte erzählen. Welches Stück darf in deinen Alltag einziehen?

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Häufige Fragen

Wie erkennt man hochwertige Angewandte Kunst?

Selbstständige Künstler:innen kennzeichnen ihre Stücke mit einer Signatur. Sie sind Sammlern wichtig, da sich der Wert des Stückes steigert und die Zeichen die Herkunft eindeutig bezeugen. Die Stücke sind individuell, das heißt, das Stück unterscheidet sich im Stil von Kaufhausware. Es berührt dich und du hast das Gefühl, dass du es ins Herz schließen möchtest. Du bist ganz begeistert von dem Farbspiel, der Haptik oder der Vielseitigkeit der Herstellung.


Muss angewandte Kunst handgefertigt sein?

Entscheidend ist, dass jeder Schritt bewusst gestaltet und nicht industriell reproduziert wird. Das heißt, es können selbstverstöndlich auch Maschinen zum Einsatz kommen., zum Beispiel bei der Holz- oder Metallbearbeitung.


Sind Unikate automatisch Kunst?

Da mit "Kunst" meist der Oberbegriff der Bildenden Kunst gemeint ist, ist die Antwort zunächst nein. Diese Anforderungen erfüllen meist freie Arbeiten, die vordergründig keinen bestimmten Nutzen haben, wie Objekte. Es gibt viele hochwertige künstlerische Arbeiten, die nutzbar sind und auch bestimmte Voraussetzungen erfüllen (spülmaschinenfest etwa), die künstlerisch eigenständig, oft auch faktisch Unikate, und damit auf jeden Fall der Angewandten Kunst zugeordnet werden.


Kann ein Objekt gleichzeitig Kunst und Design sein?

Ja, auf jeden Fall. Eine Bodenvase ist Design - sie hat eine eindeutige Funktion - und Kunst, wenn Form, Farbe und/oder Material auf einem eigenständigen, frei-künstlerischen Konzept basieren.


Was macht angewandte Kunst zeitgenössisch?

Meisterschaft mit Eigenständigkeit und Tradition mit Experiment. Die Danner Stiftung hat es hier ebenfalls anschaulich zusammengefasst.


Warum angewandte Kunst statt industriell gefertigter Produkte kaufen?

Wenn du nicht nach Billigware suchst, erhälst du für das gleiche Geld ein wertvolleres Gut, höhere Qualität und schönere Dinge. Dinge mit Bedeutung, die dein Leben bereichern.


Wo kann man zeitgenössische angewandte Kunst kaufen?

An vielen Orten. In Galerien und auf Märkten, direkt in der Werkstatt und auf Messen. Online empfehlen wir, nach einer kuratierten Auswahl zu sehen, wie zum Beispiel bei The Artful Object.