Gudrun Paysen

Meine heutige Tätigkeit als Keramikerin war mir nicht vorgegeben. Als Übersetzerin für Englisch und Französisch übte ich mehrere Jahre lang gerne diesen Beruf aus. Dies sollte sich aber ab 1974 grundlegend ändern als mein Mann und ich aus beruflichen Gründen nach Japan gingen. Das Leben in einem völlig anderen Kulturkreis ohne die heutigen Möglichkeiten der Kommunikation ließ mich Japan intensiv erleben. Die Begegnung mit japanischer Kunst und Kultur hat mich von Anfang an fasziniert. Gerade die Keramik in ihrer Schlichtheit und Schönheit hat mich tief berührt. Ich wünschte mir, durch Erlernen dieses Handwerkes noch tiefer in die Welt der Keramik eintauchen zu können. Dies ergab sich mit dem Besuch von traditionellen Keramikfachschulen, in denen ich das Handwerk von Grund auf lernte. Nach zwölf Jahren kehrten wir nach Deutschland zurück und die Keramik hat mich seitdem begleitet und ist ein wesentlicher Teil meines Lebens geworden.

Website

www.paysen.info

Das ist Angewandte Kunst für mich

Für mich bedeutet angewandte Kunst nicht, mich lediglich mit schönen Dingen zu umgeben. In einem handwerklich geschaffenen Objekt, ganz gleich aus welchem Material, sehe ich immer den Künstler dahinter, der sich damit auseinandergesetzt hat. Es sind mehrere Schritte, die letztendlich zu dem fertigen Objekt geführt haben. Da ist zunächst die Idee, die Suche nach dem geeigneten Material, das Wissen um die Eigenschaften des Materials, seine Bearbeitung bis zur Fertigstellung des Objektes.

So bin ich zur Angewandten Kunst gekommen

Ich habe zwölf Jahre lang in Japan gelebt. Dort habe ich gesehen wie viel Schönheit und Ästhetik in Dingen des täglichen Lebens zu finden sind und wie Handwerk und Handwerkskunst in Japan einen hohen Stellenwert genießen. Gerade die Keramik mit ihren schlichten und ausdrucksstarken Formen hat mich nachhaltig beeindruckt und den Wunsch geweckt, dieses jahrtausendalte Handwerk zu lernen. In diesen 12 Jahren habe ich in verschiedenen Schulen bei unterschiedlichen Meistern in Tokyo das Keramikhandwerk von Grund auf erlernt. Ganz im Sinne japanischer Denkweise schätze ich an meiner Arbeit, dass ich mich nur als Mittlerin zwischen den von der Natur gegebenen Materialien und dem zu schaffenden Objekt sehe.

Das bedeutet mir die künstlerische Beschäftigung

Die künstlerische Beschäftigung bedeutet für mich die Konzentration auf das Gefäß, das entstehen soll. Dazu gehören alle notwendigen Schritte vom Kneten des Tons, dem Zentrieren des Tonballens auf der Drehscheibe und dem Formen des Gefäßes. Bei diesem Prozess bin ich ganz bei mir selbst, die Aufmerksamkeit liegt beim Entstehungsprozess des Objektes. Es ist für mich eine Befriedigung, etwas mit den Händen zu schaffen, das mir selbst aber auch anderen im Gebrauch lange Zeit Freude bereiten wird.

Das ist für mich immer wieder neu

Für meine Arbeiten verwende ich japanischen und deutschen Ton aus verschiedenen Gegenden. Jeder Ton hat seine besonderen Eigenschaften, die ich respektieren muss. So komme ich immer wieder zu der Erkenntnis, dass ich durch meine langjährige Erfahrung zwar in der Lage bin, verschiedene Formen herzustellen, aber im Grunde den Ton bestimmen lassen muss, welche Form entstehen soll. Das bedeutet, der Charakter der Keramik wird in großem Maße vom Ton bestimmt und meine Hände helfen dabei, den jeweiligen Charakter sichtbar werden zu lassen.

Mein künstlerisches Ziel

Handwerkliche künstlerische Arbeit sollte Wertschätzung erfahren. Es sollte Freude bereiten, ein handgefertigtes Gefäß zu benutzen und nicht dem jeweils vorherrschenden Geschmack zu folgen. Mein Ziel ist es, die Schönheit, die in der Schlichtheit japanischer Keramik liegt, zu vermitteln.

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